Sein LÄcheln verzaubert – vor
allem die Frauen
Jo van Nelsen – einer der vielseitigsten
Künstler der deutschen Kleinkunstszene
Wenn
er auf der Bühne steht, schmilzt das weibliche Publikum dahin
wie Butter in der Sonne. Er sieht ja auch verdammt gut aus, dieser
Jo van Nelsen. Und wenn er dann auch noch lächelt, so strahlend,
ein wenig diabolisch und mit diesem Fünkchen Arroganz in den
Mundwinkeln: Einfach gnadenlos erotisch, dieser Kerl. Aber schade,
Mädels, da könnt Ihr noch so strahlend zurück lächeln
und mit den Augen klimpern – dieser Typ ist für die Frauenwelt
unerreichbar. Leider – oder auch nicht leider! Denn wäre
er nicht schwul, wäre er sicher nicht so wie er ist, dieser
charmante Chansonier und Entertainer mit dem gewissen Etwas, das
die Frauen so verzaubert.
Auf seiner Visitenkarten bezeichnet er sich selbst als „Stimm – und
Sprechhandwerker“. In gewisser Weise eine Zusammenfassung,
denn all seine „Berufe“ hätte darauf auch kaum Platz
gefunden. Er ist Schauspieler, Chansonier, Regisseur, Buchautor,
Kabarettist, Radiomoderator, Journalist, Conferencier - und somit
einer der vielseitigsten Künstler der deutschen Kleinkunstszene.
Geboren wurde Jo van Nelsen 1968 in Bad Homburg, wo er auch 20 Jahre
später sein Abitur absolvierte. Die danach angefangene Lehre
zu Buchhändler bracht er schnell wieder ab. Die Bühne lockte – mit
einer Regieassistenz am Frankfurter Schauspiel. Sein erstes Chansonprogramm „La
nuit en rose“ feierte schon 1989 Premiere. Im selben Jahr wurde
er auch international bekannt, als Mitglied der Pop-Gruppe „Culture
Beat“ und dem Dancefloor-Hit „Der Erdbeermund“. „Lauter
Lügen“ hieß sein Chansonprogramm im Jahr darauf,
gefolgt
von
seiner deutschen Nachkriegsrevue „Küss mich unter’m
Gummibaum“ und 1994 von „Ich will - Ein Chansonabend
für Dich und mich und für Hildegard Knef“, eine liebevolle
Hommage an die Künstlerin.
1994 kam Jo van Nelsen auch mit dem Pianisten und Cellisten Clemens
Kanka zusammen und das Highlight der bis 2000 währenden gemeinsamen
Arbeit war 1988 „Kitsch! - Lieder und Texte entlang der deutschen
Schmerzgrenze“. Für dieses anspruchsvolle Programm wurde
der Chansonier gleich mehrfach ausgezeichnet. 1999 stand die Abschiedstournee
an, allerdings nur die erste. „Und Tschüss!“ hieß diese,
war eher ironisch gemeint, beleuchtete das Künstlerdasein und
Stars wie Zarah Leander, die es immerhin auf 14 endgültige Abschiedstourneen
gebracht haben soll.
Zum hundertjährigen Jubiläum des deutschen Kabaretts ging
Jo unter die Buchautoren. „Wir richten scharf und herzlich
- Couplets und Chansons 1901-2001“ lautete der im dtv erschienene
Titel. Parallel dazu gab es auch einen Bühnenprogramm, bei dem
er erstmals selbst Regie führte. Eine rasante Exkursion durch
die deutsche Kabarettgeschichte, von der Zensur im Kaiserreich, dem
ersten Weltkrieg über den Führerkult der Nazis bis zur
Wirtschaftsordnung der DDR. Ein ernstes Thema um kritischen Witz,
bissig-böse Ironie und den unumstritten hohen Unterhaltungswert
des Genres, liebevoll-ironisch aufgearbeitet. Seine Partnerin bei
diesem Programm ist Sabine Fischmann und es wird auch weiterhin gespielt.
Auf dem Spielplan stehen derzeit zudem die Programme „Easy – Whatever
happend to Barbie und Ken“, ein Pop-Kabarett gemeinsam mit
Thorsten Larbig, der ihn auch bei „Just Friends – Das
Beste aus 15 Jahren“ begleitet.
Ü ber ein Dutzend Programme brachte der vielseitige Künstler bislang
auf die Bühne, auf mindestens ebenso vielen Silberscheiben ist er zu hören.
Er führt für Künstlerkollegen wie Anton le Goff (Maja Wolff) oder
Iris Stromberger Regie. Im November 2004 hatte seine Inszenierung „Swing
Sisters“, ein harmoniesüchtiges Musical, an der „Komödie
im Marquart“ in Stuttgart Uraufführung. Im Tigerpalast in Frankfurt
gibt er den Conferencier, schreibt Kolumnen für die Frankfurter Rundschau,
arbeitet beim Hessischen Rundfunk als Moderator, Präsentations- und Tagesredakteur.
Zwischendurch steht er immer wieder als Chansonier auf der Bühne und verzaubert
so ganz nebenbei die Frauen, mit seiner Ausstrahlung, seinem Charme und vor allem
mit seinem Lächeln.
Infos über Jo van Nelsen sowie sein Tourplan sind unter www.jovannelsen.de abrufbar.
Diskografisches
1989: „Der Erdbeermund” (Maxi-LP/CD); Culture Beat feat.
Jo van Nelsen.
1990: “Cherry Lips” (englische Version “Der Erdbeermund”)
und „Les lèvres cerises“ (französische Version „Der
Erdbeermund“)
1990: „Lauter Lügen“ (Audiotape); am Flügel
Friedhelm Neumann, Liveaufnahme aus dem Mousonturm Frankfurt.
1992: „Regenballade (Am Tag als der Regen kam) auf Frankfurt-Sampler-CD „So
Many Songs“, mit der Band „Die Schwindler“.
1992: „Im Dunkel der Nacht“ (Studio-CD) mit der Band „Die
Schwindler“.
1995: „ich will. Ein Chansonabend für Dich, für mich
und für Hildegard Knef“ (CD, Livemitschnitt), am Flügel
Clemens Kanka)
1996: „Pornografie“/ „Kommt der Tag“/ „Das
Lied von der kleinen Laus Plü“ (auf CD „Friedhelm
Kändler: Mein schönstes Wowo“).
1997: Die Maiennacht“ (Maxi-CD); Hypnotic Grooves feat. Jo
van Nelsen;
1998: „van Nelsen singt Kändler“ (Maxi-CD; Livemitschnitt
des SDR; am Flügel Clemens Kanka
1999: „Der Erlkönig“ (auf Doppel-CD „Rosebud
Red – Songs of Goethe and Nietzsche“ mit Die Prinzen,
Ben Becker, Konstantin Wecker u.a.; Hypnotic Grooves feat. Jo van
Nelsen.
2000: „Der Erdbeermund” (Neuaufnahme, Maxi-CD), Hypnotic
Grooves feat. Jo van Nelsen
2001: „Wir richten scharf und herzlich – Chansons aus
100 Jahren Kabarett“ (CD; Liveaufnahme Deutschland Radio);
am Flügel Sabine Fischmann
Biografisches
Geboren am 28.August.1968 in Bad Homburg vor der Höhe
1988 Schulabschluss mit dem Abitur in Bad Homburg
1988 Buchhändlerlehre (abgebrochen)
1989-1990 Dramaturgie- und Regieassistenz bei Rainer Mennicken am
Schauspiel Frankfurt/Main
Seit 1989 Arbeit als Chansonnier, Schauspieler, Sprecher und Moderator/Conferencier
in Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland
Seit 1997 Arbeit als Radiomoderator und Radio-/Printautor
1998-2000 Ausbildung zum klassischen Bariton bei Wolfgang Grimm,
Frankfurt
Weiterbildung in Sprechtechnik und funktionalem Stimmtraining
Seit 2001 Arbeit als Regisseur
Text: Liane Probst-Simon / Fotos: Liane Probst-Simon, Jo van Nelsen