Töpfermuseum: Von Dachreitern,
Pfeifen und Töpfen im Urberacher Gelb
Im ehemaligen Faselstall in der Urberacher Bachgasse
ist das Töpfermuseum untergebracht, das nicht nur Platz für
irdenes Geschirr verschiedener ortsansässiger Töpfereien
und Epochen sowie für Werkzeuge des Töpfer- und Häfnerhandwerks
bietet, sondern auch Hessische Keramik und moderne Tonkunst zeigt.
Die Tongewinnung, das Vorkommen der einzelnen Tonarten sowie die
Verbreitung der aus gelbem Urberacher Ton fertigen Gebrauchs- und
Kunstgegenstände wird im unteren Stockwerk erklärt. Auch
die unterschiedlichen Dekors, die mit dem Malhörnchen oder mit
einem Schwamm aufgetragen oder mit Reisig bespritzt wurden, sind
hier dargestellt. Der Großteil der Ausstellung befindet sich
jedoch im Obergeschoss. Hier sind verschiedene Arbeiten einzelner
Töpfereien ausgestellt. Küchen- und Tafelgeschirr, Tonflöten
zum Musizieren, Dachreiter, die früher die Giebel der Töpfereien – allein
bis 1930 waren es noch über 30 Ortsansässige - zierten,
Spielzeug für Kinder und moderne Tonkunst reihen sich in den
Vitrinen. „Tonwaren in Form von Sektkühlern oder Butterdosen
erleben gerade ihre Renaissance“, weiß Doris Lips vom
Heimat- und Geschichtsverein Urberach, dessen Mitglieder das Museum
betreuen. Die Stadt selbst zollt ihrer Töpfertradition heute
noch mit Tonbuttons zur Kerb Anerkennung. Stolz ist man aber auch
darauf, dass die Nachkommen von Valentin Braun, einem an der Keramikfachschule
in Landshut 1904 studierten Töpferer, heute noch aktiv ihr Handwerk
in Urberach ausüben. Schulklassen, die das Museum besuchen,
wird anhand einer Nachbildung des Künstlers Valentin erklärt,
wie man Tonvasen und Töpfe mittels der Drehscheibe fertigt.
Wer auf den Geschmack der Tonkunst gekommen ist, kann bei Töpferkursen
in der ebenfalls im Faselstall untergebrachten Werkstatt seiner Kreativität
bei der Gestaltung eigener Tonkunst freien Lauf lassen. Das Töpfermuseum
bietet über das Jahr verteilt aber auch Sonderausstellungen – im
Frühjahr beispielsweise zum Thema Apfelwein – und Vorträge
an. Heiratswütige können zudem im Urberacher Töpfermuseum
beweisen, dass „das Milchdippche sein Deckelchen“ gefunden
hat und sich hier standesamtlich das Ja-Wort geben.
Töpfermuseum, Bachgasse 26, Rödermark-Urberach,
Tel: 06074 9110, Fax: 06074 911888, geöffnet sonntags von 10
bis 12 Uhr und nach Vereinbarung mit Doris Lips, Tel. 06074 5920
oder Rita Dutiné, Tel. 06074 847259, Eintritt frei.