Pipapo und nicht BlaBla
Das Kellertheater in Bensheim
ist das einzige
Schauspiel-Ensemble der Stadt
So muss ein Kellertheater sein: Über eine steile Eingangstreppe
geht es hinunter in ein behagliches Gewölbe. Abgang in eine
andere Welt aus der man nur über den steilen Aufgang wieder
entkommt. Beim Pipapo-Kellertheater in Bensheim muss man beim Ankommen
am Treppenende aufpassen, nicht dem Techniker in den Rücken
oder gleich auf dessen Regiepult zu fallen. Urige Gewölbeatmosphäre,
sehr eng beieinander stehende Tischgruppen für rund 70 Gäste,
eine zentrale und einladende Theke. Die Lichttechnik wird nicht schamhaft
verborgen, sie gehört zur Grundstimmung im Pipapo - hier wird
Theater gemacht und Technik gerne gezeigt.
Selbstbewusst bezeichnet Pipapo-Chef Jürgen Rehm das Theater
als „das Bensheimer Schauspiel“. Das kann er so nennen,
weil das „Parktheater“, Bensheims andere Bühne,
lediglich Gastspiele aufführt. Die Pipapo-Crew ist damit in
der Tat das einzige Bensheimer Ensemble.
Ohne Gastspiele kommt freilich auch das Kellertheater nicht aus.
Kabarett, Konzerte, Lesungen und Gastspiele von Schülertheatern
gehören dazu. Rehm, im Hauptberuf Lehrer, leitet die Theatergruppe
des Bensheimer Goethe-Gymnasiums. Synergieeffekte bleiben da nicht
aus. Mancher Ex-Goethe-Schüler gehört zum Pipapo-Ensemble.
Der Theatervirus ist langlebig.
Das Pipapo besteht aus rund 20 Aktiven. Und wagt sich mit seinen
zwei Eigenproduktionen – eines davon ist ein Stück des
seit zehn Jahren bestehenden Pipapo-Kindertheaters - auch an schwere
Inhalte heran. Rehm stellt nicht ohne eine kleine Frustration fest,
dass es dann letztlich immer wieder die lustigen und leichten Stücke
sind, die das Publikum anziehen. „Stücke die nicht versprechen,
ausschließlich erheiternd zu sein, bringen eine gewisse Zurückhaltung
beim Publikumsinteresse mit sich.“ Zuletzt war das beim Auftritt
der renommierten „Bremer Shakespeare Kompanie“ so. Schwere
Kost ohne Lacher, mit - wie Rehm es nennt – „weiterführendem
Anspruch.“ Aber eben Zurückhaltung beim Kartenverkauf.
Mithin die Bredouille eines jeden Laientheaters, sei auch dessen
schauspielerischer Anspruch hoch. Seichte Unterhaltung auf allen
TV-Kanälen und auf vielen Kommerzbühnen hat sich für
den Großteil des Publikums eben auch in den unkonventionellen
Theaterkellern fortzusetzen.
Leichte Kost ist also gefragt, die das Pipapo eben auch liefert. „Gemischt
mit Anspruchsvollem“, sagt Rehm. „Dennoch bleibt unser
Grundanspruch“, betont er. Nichts
Zotiges, keine Comedy, „alles
was platt und plump ist, kommt bei uns nicht auf die Bühne.“
Dass die dennoch regelmäßig voll ist, dafür braucht
die Pipapo-Mannschaft nicht viel zu tun. „Wir erhalten pro
Woche mehrere Anfragen und Angebote, von Künstlern, die bei
uns auftreten möchten. Aus denen wählen wir dann aus.“
Wie der Theaterverein zu seinem Namen kann, ist nicht verbrieft.
Vielleicht war „Pipapo“ einst ein rhetorischer Befreiungsschlag
oder gepresster Frustausstoß in der Runde der Namenssuchenden. „Pipapo“ ist
immerhin kein „Blablabla.“
Beheimatet ist das Theater im Wambolter Hof, einem ehemaligen Adelshof,
inmitten Bensheims, am viel zu modernen und unsäglich beliebigen
Neumarkt. Die Stadt unterstützt das Theater, die Pacht hält
sich nach Angaben der Pipapo-Kassenwartin Traudl Billig in Grenzen.
Geld vom Land gab es einst auch schon, inzwischen aber längst
nicht mehr. Und auch die Gelder von der Stadt werden weniger, immerhin
gibt es einen Förderverein, der sich der Unterstützung
des Pipapo widmet. „Der ist immens wichtig für uns. Ohne
ihn ginge es gar nicht“, sagt Rehm. Genauso wie das gute Fundament
des Kellertheaters. Die Technik ist auf Vordermann und relativ neu,
größere Anschaffungen stehen nicht auf der Wunschliste. „Weniger
Nebenkosten, eine Innenrenovierung und eine neue Theke“, gibt
Billig Einblick in das Lastenheft. „Alles auf die nächsten
drei bis fünf Jahre verteilt.“
Traudl Billig kam zunächst als Zuschauerin ins Pipapo. 2004
hörte sie, dass der Vorstand des Theatervereins die Segel streichen
will, die Pipapo-Zukunft damit auf der Kippe stand. „Das kann
nicht sein, das darf nicht sein. Da musst Du was tun“, sprach
Billig zu sich und legte los. Mit ihr und dem neuen Vorsitzenden
Jürgen Rehm kam neuer Wind in den Verein. Und von dem haben
demnächst auch die rund 40 Mitglieder etwas, was sie bisher
noch nicht haben: Ermäßigungen und Vorkaufsrechte bei
den Eintrittkarten. „Bisher hat ein Mitglied, das nicht zum
Ensemble gehört, ja keine wirklich Vorteile von seiner Mitgliedschaft.
Das wollen noch in diesem Jahr ändern.“ Erhoffter Nebeneffekt:
Mitgliederzuwachs.
Hervorgegangen ist das Pipapo aus den „Erdferkeln“, einer
Theatergruppe, die sich vor rund 20 Jahren in Bensheim gründete
und sich nach nur kurzer Zeit Ende der Achtziger wieder auflöste.
Aus einem Teil der „Erdferkel“ entstand 1989 das Pipapo-Kellertheater.
Der Theaterkeller war zuvor eigens für die „Erdferkel“ im
Wambolter Hof ausgebaut worden.
Heute kommt der Keller überaus freundlich daher. Kleinkunstambiente
pur, mit wechselnden Bilderausstellungen von Künstlern aus der
Region an den Wänden. Alles hübsch in Szene geleuchtet
und akzentuiert. Kein Nebenbei-Effekt, sondern eine wohltuend bewusste
Präsentation. Kunst passiert im Pipapo eben nicht nur auf der
Bühne. (Jürgen Buxmann)
PIPAPO-Kellertheater, Wambolter Hof, 64625 Bensheim, Telefon 06251
67740, www.pipapo.online.de