Wenn einen das Rennfieber packt…
Mit 6,5 PS durch den Tunnel und auf die berüchtigte Virage
Mirabeau – Klein-Monaco in Groß-Zimmern
Sich einmal wie Michael Schumacher fühlen, über die Rennstrecke
düsen und Formel 1- Kurven und -Passagen nachfahren – das
können die Besucher der Kartbahn „Fahr-Werk“ in
Groß-Zimmern. Etwas versteckt im Gewerbegebiet ist die Anlage
gelegen, deren Namensgeber Heinz-Harald Frentzen (HHF) ist.
Wer seine Runden drehen will, wundert sich wahrscheinlich, dass die
Rezeption des HHF-Rennsportcenters im ersten Stock des Gebäudes
liegt. Auf dem Weg dorthin geht’s an einer Tafel mit der Geschichte
des Kartsports und sämtlichen Fotowänden des Formel 1-Rennfahrers
vorbei. Kaum verwunderlich, denn das „Fahr-Werk“ betreut
seit 1998 den Harald-Frentzen-Club und organisiert Fantreffen an
den Rennstrecken.
Auf der Treppe kann man dann den ersten Blick auf die 450 Meter lange
Rennstrecke werfen, die über drei Ebenen und dabei, ganz wie
in Monaco, durch einen Tunnel und die berüchtigte Virage Mirabeau
führt. Das Beste: Auch bei vollem Betrieb auf der Piste, ist
die Karthalle nicht vernebelt und stinkt nach Benzin – der
besonderen Lüftungsanlage sei Dank.
Nun heißt es Einchecken. Wer als Einzelfahrer kommt, hat ab
und zu Glück (gute Chancen: montags bis freitags von 17 bis
18 Uhr oder aber Sonntagabends ab 19 Uhr) und kann auch ohne vorige
Reservierung zum Training starten. Empfohlen wird jedoch mindestens
zwei bis drei Tage vor dem gewünschten Fahrtermin zu reservieren.
Doch selbst dies garantiert noch kein Fahrvergnügen: Hat das
motorbegeisterte und freundliche Personal den Eindruck, dass der
Kunde unter Alkoholeinfluss oder Drogen steht, darf dieser nicht
fahren. Schließlich wird Sicherheit im „Fahr-Werk“ groß geschrieben,
wie auch das Verbrauchermagazin „plus“ feststellte, das
die Kartbahn als sicherste Deutschlands testete.
Alle anderen Fahrwilligen müssen nun eine Haftungserklärung
ausfüllen, mit der sich die Kartbahn gegenüber denjenigen
Fahrern absichern will, die sich daneben benehmen und Unfälle
provozieren. Ist der „Papierkram“ erledigt, erhalten
die Fahrer ihre Overalls. Nach dem Umziehen ist Treffpunkt im Schulungsraum,
wo ein Mitarbeiter des HHF Rennsportcenters der gemeinsam startende
Gruppe (aus Einzelfahrern) eine Sicherheitseinweisung gibt, den Streckenverlauf
sowie die Flaggen und Ampeln mit ihren Bedeutungen erklärt und
einschärft: „Egal, was passiert: Immer im Kart sitzen
bleiben, bis Hilfe kommt!“
Wir werden in die Boxengasse begleitet, wo sich jeder eine Sturmhaube
nehmen und unter den geliehenen Helm ziehen muss. Dann besteigen
wir die 6,5 PS starken Karts, die jeden Tag gewartet werden, mit
benzolfreiem Benzin und bis zu 70 Stundenkilometern schnell fahren.
Der „Fahr-Werk“-Mitarbeiter überprüft, ob man
an das Gas- und Bremspedal heranreicht und startet den Motor. Nachdem
die Boxenausfahrt frei ist und ich grünes Licht erhalte, geht’s
los!
Bereits nach der Loews-Kurve, die vor vier Jahren erweiternd zur
1996 eröffneten Kartbahn hinzukam, und den Hügel hoch zur
Hangar Straight muss ich feststellen, dass Kart fahren doch seine
eigenen Anforderungen stellt. Zwar im wirklichen Leben Vielfahrer
und auf der Pseudo-Formel 1-Strecke absoluter Frischling kapiere
ich erst einmal nicht, warum sich das Ding nicht so verhält,
wie ich es gerne hätte. Also langsam in die Info-Ecke einfahren
und lieber mal einen der beiden Streckenposten um Rat fragen. Des
Rätsels Lösung ist einfach: Die Lenkung des Karts geht
wesentlich schwerer als beim Auto und um den Hügel gut zu meistern,
sollte man ihn mit Vollgas anfahren. Das hatte der nette Boxen-Mitarbeiter
leider vergessen zu erwähnen…
Na dann auf ein Neues! Mit mehr Gas und kräftigen Lenkbewegungen
klappts nun wirklich besser. Nur die Senna- und Tabac-Kurve haben
es in sich – vor allem, wenn man einen Konkurrenten vor der
Nase hat oder einem der nächste Fahrer schon im Nacken sitzt.
Dann kommt die blaue Flagge und man muss sich überholen lassen.
Häufig leuchtet das gelbe Licht auf – langsam Fahren ist
angesagt. Das ist übrigens eines der am häufigsten missachteten
Zeichen auf der Strecke, denn so mancher Fahrer meint, bei dieser
Gelegenheit noch eine Position aufholen zu können.
Von Runde zu Runde läuft es besser. Toll wäre natürlich
auf der langen Geraden seine persönliche Rundenbestzeit sehen
zu können, doch die Anzeigentafel befindet sich gerade in Reparatur.
So können nur die Zuschauer von der „V 8-Bar“, der
Skyline Lounge oder von der Terrasse aus den Stand der Dinge vom
großen Display ablesen. Darauf erscheinen die Fahrer mit ihrer
Position, der Rundenanzahl und ihrem Nick, den sie bei der Anmeldung
angegeben haben.
Schnell vergeht die Zeit und schon hält der Streckenposten die
Zielflagge hoch. Das heißt langsam in die Boxeneinfahrt fahren,
das Kart abstellen, den Helm ins Regal, die Sturmhaube in den Wäschekorb
und ab auf die Terrasse, um das Ergebnis zu sehen. Ich habe unschlagbar
den letzten Platz ergattert: Mit 41,64 Sekunden liege ich ziemlich
weit hinter dem besten Fahrer aus meiner Gruppe, der auch noch die
Tagesbestzeit aufgestellt hat: 30,85 Sekunden. Das ist ziemlich nah
am Bahnrekord, der derzeit bei 29,33 Sekunden liegt.
Doch in erster Linie sind nicht die Zeiten wichtig, sondern der Fahrspaß.
Dieser kann bei manchen schon zur Sucht werden. Nicht umsonst hat
die Kartbahn zu 95 Prozent Stammgäste. Und der Rezeptionist
fügt tröstend hinzu, als ich meine Zeiten kritisch beäuge: „Der
Rekordaufsteller kommt mindestens jeden zweiten Tag und trainiert
dann manchmal über eine Stunde“.
Wen das Kartfieber packt, für den empfehlen sich die verschiedenen
Clubmitgliedschaften. Das spart Geld und bringt zudem Vergünstigungen
bei Veranstaltungen wie zum Beispiel Fahrerschulungen. Es gibt aber
auch immer wieder besondere Angebote wie „10 für 10“, „Fußballtag“ oder „All
you can drive“ an Formel 1-Tagen, die rechtzeitig im Veranstaltungskalender
oder auf der Homepage bekannt gegeben werden.
Richtig Spaß macht Kart fahren mit einer ganzen Gruppe von
Leuten. Ein Team von maximal zwölf Freunden oder Kollegen darf
gleichzeitig auf die Strecke und sich ein Rennen liefern, an dessen
Ende es eine Siegerehrung auf dem Formel 1-Podest mit Medaillen gibt.
Zum Feiern geht man dann in die „V 8-Bar“ im amerikanischen
Stil oder bei besonderen Veranstaltungen in die Heinz Harald Frentzen-Clublounge,
wo Original-Overalls, Visiere und private Bilder des Rennfahrers
ausgestellt sind. Hier können sich die Kartfreunde übrigens
auch an den Formel-1-Wochenenden auf einer großen Leinwand
die Rennen ihrer Vorbilder anschauen.
Der HHF-Rennsportcenter ist eine beliebte Anlaufstelle für den
etwas anderen Junggesellenabschied, die Weihnachtsfeier oder sonstige
Firmenveranstaltungen. Doch die Mitarbeiter, die alle ein wenig Benzin
im Blut haben müssen, organisieren auch komplette Events nach
Wunsch im „Fahr-Werk“. (Martina Emmerich)
FAHR-WERK, Heinz-Harald Frentzen Rennsportcenter, Kartbahn GmbH,
Waldstraße 79, 64846 Groß-Zimmern, Tel: 06071-951122,
Fax: 06071-951188, eMail: fahrwerk@fahrwerk.de, Infos: www.fahrwerk.de oder www.frentzen.de
Öffnungs-/Fahrzeiten: Mo-Do 17 bis 23 Uhr, Fr 15 bis 23 Uhr, Sa 14
bis 16 Uhr (Kinder), 16 bis 23 Uhr, So: 12 bis 14 Uhr (Kinder), 14
bis 23 Uhr, am 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. Januar bleibt
die Bahn geschlossen.
Preise: Zehn Minuten (gilt nur Mo-Fr von 17-17.30 Uhr):zehn Euro,
15 Minuten: 20 Euro, 20 Minuten: 27,50 Euro, 30 Minuten: 37,50
Euro; Gruppentarife inklusive zehn Karts: 20 Minuten (Training):250
Euro,
30 Minuten (Qualifying & Rennen): 350 Euro, 45 Minuten (Warm-Up,
Qualifying & Rennen): 525 Euro und eine ganze Stunde (Exclusivbuchung):
650 Euro.
