Die Busters lassen es wieder kicken
Die deutschen Könige des Ska mit nunmehr
zwölfter CD auf „Revolution-Tour“
Sie
kommen aus Wiesloch, gelten als Könige des deutschen Ska und
sind wieder auf Tour: „The Busters“. 2004 kam das zwölfte
Album – „Revolution Rock“ – heraus und passend
dazu sind die Ska-Kings auf „Revolution-Tour“. Glücklicherweise
führt diese im Januar auch nach Darmstadt und Aschaffenburg,
wodurch sich auch der Bevölkerung des Outback die Gelegenheit
bietet, mal wieder richtig gepflegt den Ska zu kicken zu lassen
Auf 17 Jahre Bandgeschichte blicken die Wieslocher inzwischen zurück.
Die Formation gründete sich 1987, ursprünglich nur, um
einen Abend mit Ska-Musik zu veranstalten. Einem Ska-Fetischisten
in Wiesloch sollte der Wunsch erfüllt werden, an seinem Geburtstag
seine geliebte Musik einmal einem größeren Publikum vorspielen
zu können. Es wurde eine Combo aus damals in unterschiedlichen
Bands spielenden Musikern formiert und Thomas Scholz, so hieß das
Geburtstagskind, durfte den Sänger markieren. Aus diesem Geburtstagsgeschenk
gingen die Busters hervor. Den Namen gaben sie sich nach einem der
größten Ska-Produzenten in Jamaika, Prince Buster. Und
Tom Scholz war damals der erste Sänger.
Schon ein Jahr später erschien das erste Album „Ruder
than rude“ bei Weserlabel (Bremen). 1989 bestritt die Band
ihre erste bundesweite Tournee gemeinsam mit „Bad Manners“ und
war zudem Headliner beim zweiten internationalen Ska-Festival in
London. Kurz darauf folgen das zweite Studioalbum „Couch potatoes“ in
Zusammenarbeit mit Laurel Laitken und eine gemeinsamen Deutschlandtournee.
1991 eroberten die Wieslocher die Ostküste der USA mit einer
erfolgreichen Clubtournee. Der dritte Longplayer „Dead or alive“ erschien
direkt im Anschluß, 1992 das erste Live-Album mit dem Titel „Cheap
thrills“. Im Jahr darauf bereisten die Busters die Westküste
der USA. 1994 erschien das wohl umstrittenstes Album „Sexy
money“, die bis dahin erfolgreichste Deutschland-Tournee entschädigt
jedoch für die negativen Kritiken. 1995 veranstaltet das Montreux
Jazzfestival einen Ska-Abend mit den „Busters“ als Headliner,
daraus entstand die sechste CD „Live in Montreux“.
1996 wechselte die Band von Weserlabel zum Musikgiganten Sony. Dort
erschien ihre erste vollprofessionell produzierte CD „Stompede“.
1997 feiert die Band das zehnte Jubiläumsjahr mit der achten
Scheibe „Boost best“. 1998 kommt auf dem Label Dogsteady „Make
a move“ heraus, außerdem spielen die Busters als Support
auf der Open-Air-Tour der „Ärzte“. Das zehnte Album „Welcome
to Busterland“ wurde 1999 aufgelegt und im neuen Jahrtausend
wurde mit Richie die Suche nach einem neuen Frontmann von Erfolg
gekrönt.
2001
folgte mit der CD „360°“ ein entspanntes
Busters-Album, das von der erfolgreichsten Tournee der
Bandgeschichte gekrönt wurde. 2002 feierten die
Ska-Könige ihr 15jähriges Bandjubiläum,
mit einem Konzert vor 4000 Fans auf dem Festplatz in
Wiesloch. Ein Jahr später erschien bei Porkpie/Vielklang
die „Live“-Platte zum Jubiläum. 2004
machten sie das Duzend voll: „Revolution Rock“ heißt
die zwölfte und neueste Scheibe der Busters, eine
Platte im Stil und Sound des Jamaika der 60er und 70er
Jahre, womit sich die Wieslocher den ältesten Traum
der Bandgeschichte verwirklichten.
Man schloss sich für ein halbes Jahr im Heidelberger Proberaum
ein und begab sich danach mit den nagelneuen Songs in die selbsternannte
europäische Hauptstadt des Ska: Wien. Dort führt man mit
Hilfe von DJ Hornyphone und dessen Studio den typsicheren Busters-Sound
auf den Kern von Oldschool-Ska und Rocksteady zurück und zementiert
das Ganze in ein bassiges Fundament. Das Ergebnis: Brennende Busters
Songs, komponiert in der Jahrhundertsommerhitze, erzählen nicht
nur von heißen Geschichten aus dem Leben, sondern auch aus
der Hölle. Und das mit einer großen Schaufel ungetrübtem
Optimismus.
(psi)
Nur vier Umbesetzungen gab es in der langen Bandgeschichte, die aktuellen „Busters“ sind:
Hardy Appich - Trompete
Stefan Breuer - Schlagzeug
Rolf Breyer - Bass
Hans-Jörg "Fischi" Fischer - Tenor Sax
Rob Solomon Göhring - Posaune
Jesse Günther - Percussion
Stephan Keller - Piano
Alex Lützke - Gitarre
Peter "Quitte" Quintern - Alto Sax
Markus "Schramme" Schrammhauser - Orgel
Richard "Richez" Tabor - Gesang
Was ist Ska?
Ska ist in gewisser Weise die schnellere, punkigere Variante des
Reggaes. Wie der Begriff Ska entstand, lässt sich heute nicht
mehr eindeutig belegen. Ende der 50er Jahre schwappte aus Amerika
eine musikalische Welle in Form von Rhythm'n'Blues, Jazz und Gospel
in die jamaikanischen Dancehalls. Fortan mischten sich die jamaikanischen
Rhythmen mit den neuen Musikstilen - und der Ska war geboren. Zeitgleich
entstand auf Jamaika eine eigene Musikindustrie, die den Ska als
erste eigenständige jamaikanische Pop-Musik nach der Unabhängigkeit
im Jahr 1962 vermarktete und durch ihre technischen Möglichkeiten
der Musikproduktion und -verbreitung seine Entwicklung weiter begünstigte.
Namentlich ist die Existenz des Genres der Ska-Musik also spätestens
1962 belegt.
Die Einwanderer der frühen 60er Jahre brachten den Ska mit nach
England, wobei sie allerdings nicht den Begriff Ska benutzten, sondern
ihre Musik Jamaican Blues nannten. Die Engländer schienen begeistert.
Erste Plattenfirmen wurden gegründet und eine englische Szene
entwickelte sich.
Die Legende besagt, dass die westindischen Inseln 1967 von einer
großen Hitzewelle heimgesucht wurden. Das machte den schweißtreibenden
Tanz zu Ska schwieriger, so dass der langsamere Rocksteady entstand.
Etwa um 1969 entdeckten auch die britischen Skinheads den Rocksteady.
Es handelte sich um bunt zusammen gewürfelte Jugend-Gangs der
britischen Arbeiterklasse verschiedener Hautfarben und Kulturen,
deren Anhänger sich die Schädel rasierten, nicht zuletzt
um sich von den verhassten, langhaarigen Hippies zu distanzieren.
Nach Feierabend und an Wochenenden trafen sie sich um den Frust raus
zulassen, zu saufen, und sich beim Fußball zu prügeln.
Die Gangs von damals waren wohl brutal, aber nicht rassistisch. Man
sprach auch vom Skinhead Reggae.
Lange Zeit war keine Ska-Musik zu hören, denn die Hippies hatten
das Land und den Zeitgeist erobert. Erst Ende der 70er begannen britische
Bands in einer Gegenbewegung, fast zeitgleich mit dem aufkommenden
Punk wieder Ska zu spielen. Diese Art Ska-Musik war energetischer
als bisher und auch stark von der der Punk-Musik beeinflusst.
Inzwischen haben sich verschiedenste Spielarten herausgebildet. Es
gibt alle möglichen Kreuzungen, mit Punk, Funk, Techno, HipHop
und Hardcore. Das Spektrum reicht von Ska-Core, über Jazz-Ska
oder Ska-Jazz, bis hin zu tradionelleren Klängen mit DanceHall-Anleihen.
Mehr zum Thema unter www.allska.de .